Mein erster Marathon…

Posted by on 22. Januar 2010

…dauerte zwei Jahre!

Rückblick:

Vor vier Jahren habe ich mich dazu entschlossen den Meister zu machen.

„Morgen Meister!“ brüllen einem die schrillgrünen Plakate der Handwerkskammer entgegen.

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In etwa wie: „In 12 Wochen zum Marathoni!“ Den Glauben daß ich es so leicht haben würde hatte ich nie. Doch was mich tatsächlich erwartete darauf konnte ich nicht vorbereitet sein.

Da wären als erstes all die Dinge, die es für eine gute Vorbereitung braucht:

1.Eine geduldige Frau an der Seite (ohne die sonst nichts möglich gewesen wäre)

Des Weiteren ist diese ein Allheilmittel gegen:

Unsicherheit, Überempfindlichkeit, Unwohlsein, innere Anspannung und Überbelastung,

Angst, Nervosität, Gereiztheit, Aggressivität, Apathie, Hypochondrie, depressive Verstimmung, Niedergeschlagenheit, Resignation,Konzentrationsschwäche, Tagträumen,

Alpträume, eingeengte Wahrnehmung, Fixierung auf den Stressor, rigides Denken (Scheuklappeneffekt), Denkblockaden, Gedächtnisstörungen, Gedankenkreisen, Leistungsabfall, Fehlerzunahme

2. enormes Verständnis für anders denkende Mitarbeiter der Handwerkskammer

3. Unmengen an Süßigkeiten

4. eine kleine Papierfabrik

5….die zugleich auch Druckerpatronen herstellt

6. eine mittelständische Kaffeeplantage

7.eine Flatrate von Reemtsma

8. viel viel Zeit

Der Meistervorbereitungskurs besteht aus vier Teilen. Angefangen hab ich mit den theoretischen Teilen drei und vier weil diese zeitlich vor den anderen Teilen lagen. Die Theorie ging mir sehr gut bei und das die Freizeit erstmal etwas kürzer ausfiel nahm ich auch als gegeben hin. Dreimal die Woche von 17.15 Uhr bis 20.30 Uhr klang überschaubar.

Für die Teile 1 und 2 gab es zu dem Zeitpunkt noch keinen Termin. Ich hoffte nur das ich nach den Teilen 3 und 4 nahtlos an den Vorbereitungskurs 1 und 2 anknüpfen konnte um nicht zuviel Leerlauf zu haben.

Doch leider kam es anders. Der Kurstermin war leider etwas früher und ich steckte noch in der Prüfungsvorbereitung für den theoretischen Teil.

Also was sollte ich tun? Entweder die Kurse für 3 und 4 abschließen und mich auf die Prüfung vorbereiten und den nächsten Termin abwarten oder zusätzlich noch die anderen Kurse zu besuchen. Da aufgrund der geringen Teilnehmerzahl kein neuer Kurstermin feststand hab ich mich dazu entschlossen zweigleisig zu fahren um nicht zuviel Leerlauf zu haben.

Die Folge davon waren die Prüfungsvorbereitung und fünf bis sechs mal die Woche zum Unterricht zu gehen. Freizeit ade…

Aber ich wollte nicht das sich das ganze zu sehr streckt und ich länger als zwei Jahre für meinen Meister brauche.

Hier jetzt mal im folgenden die vier Teile des Meistervorbereitungskurses:

Teil 1 Fachpraktischer Teil

Meisterstück

Teil 2 Fachtheoretischer Teil

Gefahrenmeldetechnik

Messtechnik

Studiotechnik

Elektrotechnik

Radio-TV-Videotechnik

Hoch- Nieder- Impulsfrequenztechnik

technische Mathematik

Informatik

Fernmeldetechnik

Normen und Vorschriften

Teil 3 Wirtschaftlicher und Rechtlicher Teil

Buchführung

Wirtschaftliche Grundlagen bei der Betriebsführung

Finanzwirtschafliche Grundlagen

Betriebs- und Personalorganisation

EDV (Grundkurs)

Allgemeine Rechtskunde

Handwerks- und Handwerksorganisatinsrecht

Arbeitsrecht

Steuerrecht

Versicherungswesen


Teil 4 Berufs- und Arbeitspädagogischer Teil

Ausbildereignungsprüfung

(ADA-Schein)

Nachdem ich die Prüfungen der Teile drei und vier erfolgreich hinter mich gebracht habe konnte ich mich jetzt auf die anderen Teile konzentrieren.

Meisterprüfung

Prüfung für den dritten Teil

Zum Glück wurde es jetzt wieder etwas ruhiger wobei die Freude auf Freizeit nur von kurzer Dauer war. Aufgrund der Tatsache das die Kurse nur Crash-Kurse waren mußte ich noch viel nebenbei lernen um mich auf die Prüfung vorzubereiten. Was dann nach eineinhalb Jahren der nebenberuflichen Fortbildung kam, war der Mann mit dem Hammer!

Einfach mal ein Wochenende lang nichts tun, Zeit für den Partner haben, etwas mit Freunden unternehmen oder einfach am gesellschaftlichen Leben teilhaben-all das durfte ich mir eigentlich nicht leisten. Zusätzlich zu dem eh schon vorhandenen Zeitmangel für das Nötigste stand bei uns auch noch ein Umzug an. Ich fing an zu überlegen ob dieser Titel es überhaupt wert wäre. Meister! Was heißt das überhaupt? Erreiche ich damit mein Ziel? Bekomme ich dadurch mehr Ansehen oder wird mir das wirklich berufliche Vorteile bringen?

In mir machte sich Unzufriedenheit breit und die Wertigkeit des Ziels verschwamm immer mehr.  Hinzu kam das wir als Kursteilnehmer nicht zufrieden waren mit unseren Kursleitern. Das führte zu Problemen der besonderen Art und man bekommt deutlich gezeigt wie wichtig man genommen wird.

Dann war es so weit: das Meisterstück nahte. Ich stellte einen Antrag auf Genehmigung meiner Idee für das Meisterstück der mir dann auch mit wenigen Auflagen genehmigt wurde. Da der Tag mit lernen und arbeiten gefüllt war baute ich das Meisterstück in einer Zeit wo andere bereits im Bett lagen.  Als dann der große Tag gekommen war, machte man mir in Sekunden klar daß mein Meisterstück nicht aufwendig genug wäre. Did Not Finish!!! Ich lag am Boden.

Natürlich wollte ich wissen warum mein Antrag überhaupt bewilligt wurde wenn es den Anforderungen des Prüfungsauschusses doch offenbar nicht entspricht? Aber das hatte ich so hinzunehmen und ich durfte die Prüfung wiederholen.

Jetzt war ich wirklich an dem Punkt angekommen wo ich zweifelte. Soll ich die Prüfung wirklich beenden? Es ist doch nur ein Meistertitel! Was soll mir das überhaupt bringen?

Natürlich hab ich die Prüfung wiederholt aber es war ungleich schwerer, sich nach einer solchen Niederlage wieder selbst zu motivieren und noch einen drauf zu setzen.

Ich bestand.

Doch nach Jubeln war mit nicht zu Mute. Geschafft! Fertig! Loslassen! Was hab ich denn jetzt genau geschafft? Erst heute wird mir allmählich klar ich bin

Deutscher Meister!

Meisterfeier

Siegerehrung

Vielen lieben Dank mein Schatz! Ich war in der Vorbereitung nicht immer leicht zu ertragen und in der Tapering-Phase ein Scheidungsgrund. Aber Du hast mich noch unterstützt und mich mit Energie versorgt.

17 Responses to Mein erster Marathon…

  1. Evchen

    Ich bin stolz auf uns. 😉

  2. hiltrud

    Hallo Ihr Zwei! Ich bin noch viel stolzer auf Euch !!!!!!!

  3. Andy

    Respekt! Das klingt echt nach verdammt viel, viel harter Arbeit. Auf sowas kannst du/ihr auch echt Stolz sein!

    Sinusläufer: Danke! Man war auf jeden Fall beschäftigt. 😉

  4. Gerd

    Dann auch mal herzlichen Glückwunsch von meiner Seite. Es gehören immer mehrere zu einem erfolgreichem Team.
    Habt ihr prima gemacht!

    Sinusläufer: Das stimmt es gehören immer mehrere dazu. Ich bin dankbar dafür denn die Büroarbeit oder den Haushalt hab ich zu großteilen abgegeben.

  5. Feuerpferdle

    Wow, Meisterschule ist nicht ohne und das Ganze auch noch „nebenbei“… Ihr beiden seid ein tolles Team und könnt wirklich stolz auf Euch sein…

    Was bedeutet „Flatrate von Reemtsma“? Bist Du ein „Quarzfrosch“?

    Sinusläufer: Vielen Dank! Wenn ich Quarzfrosch bei Google eingebe hab ich exakt zwei Einträge wovon einer hierhin führt. Also macht mich das Internet nicht schlauer aber ich denke mal „quarzen“ im Sinne von rauchen?! Muß ich in einem „Sportblog“ sowas beantworten? Aber ja, ich inhaliere das Nervengift.

  6. georg

    Gratuliere ebenfalls! Handwerk hat goldenen Boden.

    Sinusläufer: Hallo und vielen Dank!

  7. Christian

    Wow, Respekt! Die Meisterschule nebenher zu machen ist echt was für Leute mit Durchhaltevermögen. Meinen Glückwunsch, dass du das gepackt hast, ist ja nicht gerade eine Alltagsleistung!

    Sinusläufer: Echt was für Leute mit Durchhaltevermögen! Das liest sich toll! 🙂 Danke dir.

  8. der ewige Anfänger

    Ich sag’s ja – es gibt immer mal wieder Artikel, die sind so charmant und rund, dass jeder Kommentar überflüssig ist. Aber da Du so schamlos einen Backlink bei mir geklaut hast, hole ich mir jetzt einen zurück!

    Sinusläufer: Ita ius esto

  9. Hannes

    Wow, herzlichen Glückwunsch mein Lieber!
    Du hast dir großen Respekt verdient.

    Sinusläufer: Ich danke Dir recht herzlich!

  10. Martin

    Na Gratulation!
    Ich habe den Handwerksmeister 1989/90 gemacht (Werkzeugmacher oder wie es heute heißt: Feinwerkmechaniker) und kenne daher ganz genau was du durchgemacht hast. Allerdings wurde uns unsere praktische Prüfung vorgegeben was Vor und Nachteile hat. Ein Nachteil war mit Sicherheit, dass wir keine Ahnung hatten was in der Prüfung dran kommt.
    Stelle deinen Meistertitel nicht unter den Scheffel ,gerade im Handwerk. Es ist eben nicht „nur“ Meister sondern eine verdammt gute Qualifikation. Ich bin auch nach all den Jahren immer noch Stolz drauf.

    Sinusläufer: Hi, auf einmal treffen sich die Handwerksmeister. 😉 Im zweiten Anlauf wurde uns die Prüfung auch vorgegeben damit nicht wieder Probleme auftreten können. Das war die Konsequenz aus unserer Beschwerde. Das „nur“ ging mir während dessen durch den Kopf habe ich aber schon abgelegt. Ich bin mir ziemlich sicher das Du weißt was ich/wir durchgemacht haben. Die Strukturen haben sich nicht verändert. 😉 Danke!

  11. Steffen

    Auch von mir die allerherzlichsten Glückwünsche! Ich kann das aklles voll nachvollziehen, auch ich habe ein Abendstudium hinter mir. Wenn ich Deinen Bericht so lese finde ich mich da sehr oft selbst wieder…war ne harte Zeit.

    HAST DU SUPER GEMACHT!

    Sinusläufer:Ich merke schon wir verstehen uns. 😉 Was macht man nicht alles…!

  12. Bernd

    Ich möchte Dir auch ganz herzlich gratulieren. Es hat sich wieder gezeigt, nur die Harten kommen in den Garten, als Du die Prüfung wiederholt hast, als Du es einfach getan hast anstatt aufzugeben. Den Worten von Steffen schließe ich mich voll und ganz an. Du hast es super gemacht! 🙂

    Sinusläufer: Dann bin ich ja froh im Garten nicht erfroren zu sein und jetzt geerntet werden kann. 😉 Vielen lieben Dank.

  13. An-Kas

    Toll! Das ist eine großartige Leistung! Ich kann das gut nachvollziehen, so etwas in Abendform konsequent durchzuziehen! Für mich wäre das aber glaube ich nichts. (Motivation, du weißt schon 😉 )
    Was war denn das für ein Meisterstück? Ist ja interessant!
    Also weiterhin viel Erfolg auf der Karriereleiter, du wirst deinen Weg gehen, da bin ich mir ganz sicher!!
    LG und SchöWo, Anke

    Sinusläufer: Mein erstes Meisterstück war ein UKW-Radio. Netzteil, UKW-Stufe,Tonstufe und Displayansteuerung. Nummer zwei war vorgegeben um unterschiedliche Beurteilungen zu vermeiden. Danke, dir auch noch einen schönen Sonntag!

  14. Pienznaeschen

    Lieber Christian,
    die Mühen haben sich gelohnt, heute ahnst Du es schon, kannst den Stolz vielleicht schon spüren und irgendwann kommt der Punkt an dem Du nur denkst, JA das war all die Mühe wert.
    Und es hat Euch beide garantiert noch mehr zusammen geschweißt!
    Ich drück Dich stolz und arg!

    Sinusläufer: Es hat uns auf eine harte Probe gestellt und ich bin stolz drauf das wir diese bestanden haben.
    Die Worte muß ich nochmal wiedergeben: „die Mühen haben sich gelohnt, heute ahnst Du es schon, kannst den Stolz vielleicht schon spüren und irgendwann kommt der Punkt an dem Du nur denkst, JA das war all die Mühe wert.“
    Danke!

  15. Ind

    Lieber Christian – Dann mal herzlichen Glücksstrumpf!!
    So ein Abschluss einer Fortbildung ist ein geiles Glücksgefühl, oder?

    Aber ich komme nicht ohne mahnenden Worte aus:
    Wenn Du den Meister irgendwann mal nutzen willst, um die Selbständig zu machen, so gebe ich Dir den guten Rat, die „Wirtschaftliche Grundlagen bei der Betriebsführung“ auszuweiten, denn ich kenne genug Leute von Berufswegen, die wirklich Meister ihres Metiers waren, aber kläglich scheiterten, weil es ohne eine gehörige Portion BWL nicht geht!

    Aber genug Mahnung – lass die Korken knallen!!

    Sinusläufer: Dankeschön! Naja, in der ersten Zeit war von Glücksgefühl nicht die Rede. Jetzt mit Abstand sehe ich das anders. Die mahnenden Worte sind nicht mehr als richtig. Gerade als Selbstständiger reicht es nicht aus gute Arbeit zu leisten. Wenn ich nicht betriebswirtschaftlich denken kann ist das Unternehmen zum scheitern verurteilt. Außer man hat eine sehr vertrauenswürdige Person an der Hand die das übernehmen kann. Was mir persönlich aber sehr schwer fallen würde denn ich will immer alles selber im Blick haben. Ich kenn einige die noch den Betriebswirt nachgelegt haben.
    Aber wir werden sehen was die Zukunft bringt.

  16. Indy

    und mal ne doofe Frage, wieso kappt dein Blog immer mein Y ???
    das ist gemein *grummel*

    Mit der vertrauenswerten person wäre ich auch vorsichtig…beim normalen Handwerksmeisterbetrieb reicht es aus, wenn man es dem Namen nach tut „selbst“ und „ständig“ 😉 – wie schnell hat man sich wegen Geld mit seinem Steuerberater in den Haaren, dann gute Nacht Marie! Und ein neuer Steuerberater macht dann nicht immer das, was richtig wäre…sorry, aber ich kenne halt zuviele Leute, bei denen das derart in die Hose gegangen ist..

    Sinusläufer:Ich werde drauf achten und immer ein paar y hier im Blog für dich bereitlegen. 😉
    Damit meinte ich auch nicht den Steuerberater sondern eine Fachkraft. Aber ich verstehe die Argumentation und ticke ähnlich. Existenzen scheitern oft wenn man sich im Vorfeld nicht schon die richtige Strategie zurechtlegt und diese auch regelmäßig überprüft.

  17. Sabine

    Herzlichen Glückwunsch! Eine tolle Leistung – davor habe ich Respekt, denn es gehörte bestimmt viel Disziplin und Durchhaltevermögen dazu.

    Und nun….. hast du ja sicher sehr viel mehr Zeit für das Laufen, oder? 😉

    LG Sabine

    Sinusläufer: Dankeschön! Zu der Zeit habe ich an laufen noch nicht gedacht ist aber jetzt ein fester Bestandteil in meinem Leben.

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