Stadt,Land,Fluss

Posted by on 31. März 2010

Was hab ich von diesem Stadtleben wenn mich das Sirenengeheul irgend eines Krankentransportwagen, Notarzt, Feuerwehr oder Polizei in meiner Ruhe stört? Was bringt mir dieser laute Verkehr der von der nahegelegenden Bundesstrasse tönt? Wieso feiert man hier andauernd Feste und läßt Jugendliche besinnungslos Alkohohl trinken damit sie dann irgendetwas zerstören oder jemanden angreifen? Warum genau bremsen mich immer rote Ampeln auf meiner kurzen Strecke?

Sollte nicht das ländliche Leben mehr Ruhe bieten wo ich mich maximal vom zirpen der Grillen gestört fühlen könnte? Wo die Mehrheit abends in ihren Häusern sitzt und sich von der Flimmerkiste bedröseln läßt? Dort wo der Nachbar noch grüßt und gemeinsam ein Schwätzen mit mir hält? Wo ich ganze Kilometer fahren kann ohne auch nur einer Ampelanlage zu begegnen?

Manchmal wünschte ich mir diese beschauliche und idylische Ruhe. Wo ein Sirenengeheul zum Ereignis erklärt wird und am nächsten Tag ausgiebig in verschiedenen Versionen analysiert wird. Wo ich die Balkontür auflassen kann ohne die Angst zu verspüren gleich kommt einer rein und nimmt mit was nicht gerade angeschraubt wurde. Manchmal vermisse ich dieses übersichtliche Dorfleben.

Aber nur manchmal…

Der Städter liebt seine Privatsphäre und entscheidet wieviel er davon preisgeben möchte. Der Städter kann auch zu unchristlichen Zeiten in den nächstgelegenen Supermarkt um das vergessene Salz nachzukaufen. Der Städter kann mit öffentlichen Verkehrmitteln mehr Ziele errreichen. Der Städter profitiert von einer besseren medizinischen Versorgung im Umkreis.

Genau solche Dinge empfinde ich als großen Vorteil. Dinge erledigen zu können ohne lange Wege zu beanspruchen. In der Stadt passieren Dinge schneller. Das einzige was sie aufhällt ist die Bürokratie. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich selbst lebe in einer Kleinstadt wo sich  Dorfleben und Stadtleben überschneiden. Eine gesunde Mischung für einen ehemaligen Dörfler. Hier muß man nicht zwingend im Feuerwehr-,Schützen- oder Kirmesverein sein.Wenn ich die Natur suche sind es nur einige Laufminuten entfernt bis ich mitten im grün stehe. Selbst die Weinberge sind nach ein paar wenigen Autokilometern zu erreichen. (Wenn sich meine Distanz erhöht sogar laufend)

Die Innenstadt ist auch schnell erreicht. Hier reicht der Drahtesel aus wenn ich in das Sportgeschäft meines Vertrauens möchte. Die Arbeit erreiche ich sogar per pedes.

Wie ist es bei euch? Seid ihr erfolgreiche Städter oder zieht ihr ein gemütliches Dorfleben vor?

15 Responses to Stadt,Land,Fluss

  1. Stephan

    Ich mag die Möchtegerngrossstadt-Mischung: ausreichend Anonymität und Infrastruktur (Kneipen, Geschäfte, Kinos) und doch Natur um mich. Hier in Böblingen geht das recht gut.
    Und Stuttgart ist mit allen Möglichkeiten nebenan – und gleichzeitig weit genug entfernt 😉

  2. Evchen

    KLEIIIINstadt? Päh! Neuwiedropolis wie das Frollein es (wahrscheinlich weder für groß noch für fein stehend gemeint) gern unkt, unser Städtchen, ist doch keine Kleinstadt, also… Daß Du auch alles auf Deine Größenverhältnisse umrechnen mußt. Tsk.

    „Alles ist bunt, laut und blinkt…“ I love it, wenn sich denn nichts Größeres bietet! 😉

  3. Blumenmond

    Ich hab 27 Jahre in einem 500-Seelen-Nest gewohnt – ich fands nicht schlimm, es war halt so. Heute finde ich es gut, etwas mehr Infrastruktur zu haben. Als wir vor 3 Jahren von einer anonymeren Stadt in ein „6000-Seelen-Dorf“ gezogen sind, hab ich mich gefreut – 6000 Menschen sind zwar viel aber hier kommt einem das wenig vor – ich fühl mich wohl damit. Und Krankenwagen hör ich hier nur, wenn tatsächlich was passiert. Man stumpft aber ab mit der Zeit, wenn man 8 Jahre quasi direkt neben einem Krankenhaus gewohnt hat.

  4. An-Kas

    Nunja, ich lebe in einer typischen Ruhrpottstadt mit dem entsprechenden Charme…
    Sirenengeheul ist nebensächlich bzw. hört man schon gar nicht mehr, die Straßen sind immer voll, dafür sind die Supermärkte bis 22 Uhr auf und ich bin in nullkommanix (wenn nicht grad Stau ist) in irgendeiner Nachbarmetropole zum Shoppen.
    Allerdings muss ich auch mal eine Lanze für das Ruhrgebiet brechen, wir haben auch sehr schöne (auch ländliche) Ecken. Ich muss auch nicht ganz so weit raus, um mal am Wasser (Kanal) zu sein oder durch Wälder zu laufen (z.B. die Haardt). Und Wäsche wird auch nicht schwarz, wenn man sie draußen zum trocknen aufhängt 😉
    Trotzdem würde ich gern mal in einer ländlicheren Gegend wohnen, um dann wirklich beurteilen zu können, was mir besser gefällt. Mehr schönere Laufstrecken wäre schon so ein Argument!
    LG, Anke

  5. Andy

    Gebürtig komme ich auch aus einer Kleinstadt mit ca 14.000 Einwohnern. Empfand es immer als Dorf, man kannt jeden und es war nie wirklich was los. Dann habe ich einige Zeit in einer „Großstadt“ gewohnt, Hannover. Man hat wirklich alles was man braucht und ist dank Öffis auch ratzfatz da. Aber ich bin doch froh jetzt wieder in so einer Kleinstadt zu wohnen, wenn ich hier in die Natur gehe, nur ein paar Schritte entfernt, finde ich meine Ruhe, kann aber ebenso so schnell wieder in Hannover sein. Die perfekte Mische und die Läden haben hier auch bis 22 Uhr geöffnet. 😉

  6. Steffen

    Hi Christian,

    wir wohnen am Stadtrabd von Ingelheim (25.000 Einwohner) und sind froh dort zu sein. Ob das nun eine Groß- oder Kleinstadt müssen andere entscheiden ;-).
    Jedenfalls haben wir es nach allen Seiten hin GRÜN, auf der anderen Seite aber trotzdem alle infrastrukturären Vorteile einer Stadt.
    Was die Anonymität anbelangt nur soviel: In unserer Straße gibt es dieses Jahr nun bereits zum 10. mal ein Nachbarschaftsfest, noch fragen?

    Liebe Grüße und frohe Ostern,
    Steffen

  7. feldmaus salli

    Hi Sinusläufer,
    bei diesem Artikel MUSS ich jetzt einfach mal schreiben. 🙂
    Der hätte fast von mir sein können, genau diese Überlegungen beschäftigen mich gerade. Aus einer Großstadt kommend, wohnen wir z.Zt. am Rande einer Kleinstadt und träumen davon, in ein 500-Seelen-Nest zu ziehen.

    In deiner Auflistung der Vor- und Nachteile fehlt übrigens der Aspekt der DSL-Versorgung. In unserem Wunsch-Dorf wäre nur ISDN möglich. „Back to the roots“ sozusagen. Dafür ist, seufz, Vereinsleben natürlich Pflicht. Tausche Blog gegen Schützenkönigstitel. Das Laufrevier wäre aber vom Feinsten. 😉

    Du hast schon Recht, so als Kleinstädter führen wir eigentlich ein ganz nettes Leben. 😉

    Ich wünsche dir/euch ein schönes Osterfest.
    Grüße
    die Feldmaus

  8. Hannes

    Im Verhältnis zu Langeoog ist eure Stadt doch eine Weltmetropoloe *grins* – Wobei ich schon zugeben muss, hier auf der Insel ist es extrem und ich würde hier nicht für immer bleiben wollen, keinesfalls. Auch nicht im restlichen Ostfriesland, ihbähbähbäh.

    Eine gesunde Mischung finde ich richtig. Bisher in einem 8.000-Einwohner-Ort in direkter Nähe zur Stadt – das war allerbest!

  9. Frollein Holle

    Du weißt ja das ich mich eigentlich in einem vollkommen lautleeren Natur-Sarg am Waldrand am wohlsten fühle 😉 – mit „unserem“ Städtchen verbindet mich eher eine Hassliebe. Irgendwie ist mir Neuwiedropolis zu rotzig, zu unfreundlich, zu dreckig, zu miefig…aber meistens mögen wir uns dann doch irgendwie.

  10. Dauerlaufen

    Schwierig.
    Die Sehnsucht nach Grillen, offener Balkontür und Ruhe teile ich zu 100000%. Aber auch die Angst vor den Vereinsmeiern und dem Tratsch. Ich komme vom Dorf, hab in Berlin gelebt und entwickel mich zurzeit Einwohnertechnisch wieder zurück. Ich würde die – wie auch immer geartete – Weltläufigkeit vermissen. Und habe noch Angst vor den Dickschädeln und Vorurteilen. Und vor dem Pendeln! (Obwohl ich zur Zeit auch von Stadt zu Stadt Pendeln muss).
    Schwierig. Irgendwann wird es wieder Dorf. Aber noch nicht gleich.

  11. Christian

    Nach 25 Jahren Großstadtleben in Essen und Dortmund habe ich die Gelegenheit genutzt ein kleines Stückchen nach außerhalb zu ziehen. An der Grenze von Stadt zu Grün ist es nun schon relativ ruhig – ohne direkt die ganzen konsumtechnischen Vorzüge der Stadt zu verlieren. Allerdings könnte ich mir auch gut ein dörfliches Leben vorstellen. Mal abwarten, was die Zukunft so bringt 😉

  12. Baboon

    Hey Ho,

    ich lebe zwar auch in einer Stadt, aber ich hätte auch nichts gegen das Dorfleben. Sicher müsste man auf einige Annehmlichkeiten verzichten, wie das Einkaufen bis 24 Uhr oder das mal schnell an die Tankstelle oder zum nächst größeren Bahnhof mit Einkaufsmöglichkeit auch am Sonntag, aber es gibt halt auch Dinge auf dem Land die Schön und Lebenswert sind und die mich dort hinlocken.

    Lieben Gruß

  13. Hitsch

    Ich bin in einem Dorf aufgewachsen, habe aber auch einige Jahre in der Region Basel gewöhnt (Für Leute wie mich ist das schon eine grosse Stadt…). Inzwischen wohne ich in einer Kleinstadt mit ca. 35’000 Einwohnern. Das ist eine gute Mischung zwischen Stadt und Dorf. Zum Einen gibt es hier die bereits erwähnten „städtischen Annehmlichkeiten“ wie z.B. viele Geschäfte oder gute Erschliessung durch öffentliche Verkehrsmittel. Auf der anderen Seite ist die Stadt klein genug, dass man – genügend Zeit vorausgesetzt – alle Örtlichkeiten bequem noch zu Fuss erreichen kann. Es bleibt alles immer noch recht übersichtlich. Da ich zu allem Überfluss auch noch in den Alpen wohne und mehrere Ferienorte zwecks Freizeitgestaltung ringsherum gut erreichbar sind, kann ich mit gutem Gewissen sagen: Ich bin zufrieden dort wo ich jetzt wohne.

  14. Pienznaeschen

    Ein kleiner alter Ortskern, ein paar neue Häuschen und das alles in einer Kleinstadt die auch noch Kurort ist aber wir werden eben in einem Ortsteil wohnen, die Wiesen und den Fluß beinahe vor der Tür und in 15 Minuten stehen wir mitten in Frankfurt – eine perfekte Mischung für mich 🙂

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